Trauma-Interventionen
PROJEKTENTWURFÜbersicht von 43 therapeutischen, pädagogischen und präventiven Interventionen bei Traumafolgestörungen im Kindes- und Jugendalter. Die Zusammenstellung basiert auf 82 wissenschaftlichen Quellpublikationen (Stand: Juli 2026) und dokumentiert je Intervention den methodischen Ansatz, den Entstehungskontext, die Finanzierungssituation sowie die vorliegende Evidenz.
Eine Darstellung der Klassifikation und Wirksamkeit von Traumainterventionen im Kindesalter findet sich unter Trauma-Interventionen im Kindesalter.
43 von 43 Interventionen angezeigt.
| Name | Beschreibung & Methodischer Ansatz | Jahr / Land | Wirkung & Evidenz | Finanzierung & Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Traumafokussierte KVT (TF-KVT / TF-CBT) | Kognitiv-verhaltenstherapeutische Traumatherapie für Kinder (3-18 J.) und deren nicht-misshandelnde Bezugspersonen. Beinhaltet Psychoedukation, Entspannungsverfahren, Gefühlsmodulation, kognitive Bewältigung, Traumanarrativ, in-vivo-Exposition und gemeinsame Eltern-Kind-Sitzungen. | Jahr: 2009 (Manual von Cohen, Mannarino, Deblinger) Land: USA / DE / International | Höchster Evidenzgrad (Leitlinienempfehlung A der AWMF, NICE, ISTSS, Phoenix Australia). Signifikante und nachhaltige Reduktion von PTBS-Symptomen, komorbider Angst und Depression. | Über GKV (gesetzliche Krankenkassen) im deutschen Regelsystem abrechenbar. Quelle: S3-Leitlinie PTBS; Leitlinien zur Behandlung der PTBS bei Kindern und Jugendlichen.pdf |
| KIDNET (Narrative Expositionstherapie für Kinder) | Kindgerechte Adaption der NET (Chronologische Lebensrekonstruktion mit Fokussierung auf Traumata unter Nutzung von Symbolen wie Blumen und Steinen). Speziell entwickelt für Kinder und Jugendliche in Kriegs- und Krisengebieten oder mit Fluchthintergrund. | Jahr: 2008 (Ruf et al.) / 2017 (Schauer et al.) Land: Deutschland / Sri Lanka / Ostafrika | Wissenschaftlich hochwirksam (Effektstärke von 1,57 in Sri Lanka). Nachweislich signifikante PTBS-Reduktion und signifikante Verbesserung schulischer Leistungen (insb. bei Mädchen) im 13-Monats-Verlauf. | Regelfinanzierung schwierig; oft über Hilfsprojekte, Stiftungen (z.B. vivo) oder Spezialambulanzen finanziert. Quelle: Psychische Gesundheit von Flüchtlingskindern in Deutschland.pdf; Trauma Treatment for Children in War - Sri Lanka.pdf |
| PITT-KID (Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie) | Spezifisches, dreiphasiges Traumatherapieverfahren für Kinder und Jugendliche mit frühen und komplexen Störungen. Fokus auf imaginative Techniken (z.B. innerer sicherer Ort, Helferwesen), Achtsamkeit, kognitive Umstrukturierung und die therapeutische Arbeit mit inneren Anteilen. | Jahr: 2007 (Dr. Andreas Krüger & Luise Reddemann) Land: Deutschland | Weit verbreitet im deutschen Sprachraum (22% aller Traumaambulanzen nutzen PITT-KID). Hervorragende klinische Akzeptanz und Stabilisierungsergebnisse bei komplex traumatisierten Kindern. | Wird in spezialisierten Zentren (z.B. Ankerland Hamburg) über Spenden, Stiftungen oder Einzelfallförderungen getragen. Quelle: Ankerland | Therapiezentrum; Was ist ein Trauma - Definition und Handhabung.pdf |
| START (Stress-Traumasymptoms-Arousal-Regulation) | Niedrigschwelliges, modular aufgebautes Kurztherapiekonzept zur Erststabilisierung und Arousal-Modulation für hochbelastete unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) oder in der kinderpsychiatrischen Akutversorgung. Basiert auf wenig Sprache, Symbolik, Achtsamkeits- und Selbstberuhigungstechniken. | Jahr: 2016 (Andrea Dixius & Prof. Eva Möhler) Land: Deutschland | Pilotstudien zeigen signifikante positive Effekte bezüglich der Emotionskontrolle und der Reduktion des akuten subjektiven Stresserlebens bei hochbelasteten unbegleiteten Minderjährigen. | Geringe Hürden, kostengünstige Implementierung durch mehrsprachiges Begleitmaterial (DVD, mehrsprachige Übungsblätter). Quelle: START - START - Stress – Traumasymptoms; Start – Development of an Intervention... Refugees.pdf |
| START-Kids | Altersentsprechende Adaption des START-Programms für jüngere Kinder (Vorschul- und Grundschulalter) zur Stabilisierung und Emotionsregulation bei akutem traumatischem Stress. | Jahr: 2016 (Andrea Dixius & Prof. Eva Möhler) Land: Deutschland | Fördert nachweislich die kindliche Selbstregulation und schafft schnelle emotionale Entlastung im familiären oder schulischen Kontext. | Kostengünstiges, niedrigschwelliges Präventions- und Akutstabilisierungsangebot. Quelle: START - START - Stress – Traumasymptoms (Dixius, A. & Möhler, E. 2016) |
| Mein Weg | Traumafokussierte, manualisierte Gruppenintervention im Jugendhilfesetting für junge Flüchtlinge mit Fluchterfahrungen. Besteht aus 6-8 Sitzungen à 90 Min., durchgeführt von geschulten Pädagogen unter klinischer Supervision. Workbook mit Aufgaben zu Psychoedukation, Entspannung und Narrativarbeit. | Jahr: 2016 (Prof. Jörg M. Fegert / Lutz Goldbeck) Land: Deutschland | Wissenschaftlich bewiesene Wirksamkeit: In einer RCT (N=99) zeigten Teilnehmer signifikant reduzierte PTSS- und Depressionssymptome im Vergleich zur Kontrollgruppe. Hohe Akzeptanz bei Jugendlichen und Betreuern. | Gefördert durch die Otto-Käßbohrer-Stiftung und die World Childhood Foundation. Sehr kosteneffizient im sozialpädagogischen Alltag einsetzbar. Quelle: Versorgung von geflüchteten Minderjährigen - Angebote und Forschung der Klinik Ulm.pdf |
| BEAR (Building Empowerment and Resilience) | Therapeutisches Empowerment-Programm für weibliche Jugendliche (14-18 J.) nach interpersonellen Gewalterfahrungen. Kombination aus psychologischen Übungen zur Selbstbestimmung, Bewältigung von Traumainhalten und körperlicher Selbstverteidigung. | Jahr: Entwickelt von Prof. Jennifer Keller (Stanford University) Land: USA / Österreich (Ambulanz TRUST, Wien) | Fördert das Heraustreten aus der Opferrolle, erhöht die psychische Resilienz und Selbstwirksamkeit; wissenschaftlich begleitet zur Wirksamkeitsanalyse. | Im Rahmen wissenschaftlicher Projekte am AKH Wien kostenfrei für Patientinnen angeboten. Quelle: Neues Therapieangebot für Jugendliche nach Gewalterfahrungen; Trauma und Stress Ambulanz (TRUST) |
| Cue-Centered Therapy (CCT) | Traumafokussierte, behaviorale Kurzzeittherapie für chronisch traumatisierte Kinder und Jugendliche. Fokussiert auf die Identifikation und den Umgang mit trauma-assoziierten Triggern (Cues) sowie die De-Konditionierung von Fehlreaktionen. Benötigt im Gegensatz zur TF-KVT keine Begleitperson. | Jahr: Entwickelt von Prof. Victor Carrión (Stanford) Land: USA / Österreich | Nachweisliche Reduzierung von PTBS-Symptomen durch gezielte De-Sensibilisierung gegenüber Triggern im Alltag. | In spezialisierten Trauma-Ambulanzen im Rahmen klinischer Gesamtbudgets getragen. Quelle: Trauma und Stress Ambulanz (TRUST) | MedUni Vienna |
| CISS (Cue-Centered Therapy Informed Single Session) | Cue-Centered-Therapy-informierte Akutintervention (Single-Session) für weibliche Jugendliche unmittelbar nach dem Erleben eines sexuellen Übergriffs. Kombination aus Psychoedukation, Coping-Planung und Motivationsstärkung. | Jahr: Laufendes Projekt (MedUni Wien) Land: Österreich | Frühzeitige Prophylaxe von PTBS-Symptomen, Stärkung der psychischen Erste-Hilfe-Struktur, Erleichterung der Überleitung in längerfristige Therapien. | Angebot im Akutbereich des Allgemeinen Krankenhauses Wien (AKH). Quelle: Trauma und Stress Ambulanz (TRUST) | MedUni Vienna |
| CFTSI (Child and Family Traumatic Stress Intervention) | Kurze, traumafokussierte Frühintervention (4 Sitzungen), die innerhalb von 30 Tagen nach einem Trauma ansetzt. Fokus liegt auf der Erleichterung der Kommunikation zwischen Kind und Bezugsperson bezüglich der auftretenden Belastungsreaktionen. | Jahr: 2011 (Berkowitz et al.) Land: USA | Klinisch bewiesen: Reduziert posttraumatische Angstsymptome und verhindert nachweislich die Entwicklung einer chronischen Posttraumatischen Belastungsstörung. | Durch die extreme Kürze (4 Sitzungen) sehr kosteneffizient im Vergleich zu Standard-Traumatherapien. Quelle: Characteristics and efficacy of early psychological interventions after single trauma.pdf |
| CBITS (Cognitive Behavioral Intervention for Trauma in Schools) | Schulbasierte kognitiv-verhaltenstherapeutische Gruppenintervention (10 Sitzungen) für Kinder, die traumatischen Ereignissen (z. B. physische Gewalt, Unfälle, Katastrophen) ausgesetzt waren. Beinhaltet kognitive Umstrukturierung, Exposition und soziales Problemlösen. | Jahr: 2003 (Stein et al.) Land: USA / Deutschland | Signifikante Reduktion von PTBS- und Depressionssymptomen bei Schulkindern im Gruppenkontext bewiesen; verringert Zugangsbarrieren zu psychischer Hilfe. | Niedrige Bereitstellungskosten, da im schulischen Klassenzimmer-Kontext implementiert. Quelle: Sektion „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und Verhaltensmedizin" | Universitätsklinikum Ulm |
| Seeking Safety (Sicherheit finden) | Kognitiv-verhaltenstherapeutisches, nicht-traumafokussiertes integratives Programm (12-28 Sitzungen) zur Behandlung von PTBS und komorbider Substanzabhängigkeit. Fokus auf psychoedukative Vermittlung sicherer Verhaltens- und Coping-Strategien. | Jahr: 2009 (Najavits & Schäfer) Land: USA / Deutschland | Sehr gut evaluiertes Programm; führt zu signifikanter Besserung der Trauma- und Suchtsymptomatik durch Stabilisierung der Alltagsstruktur. | Standardisiertes Hogrefe-Therapiemanual, GKV-abrechenbar im Rahmen von Verhaltenstherapie. Quelle: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung.pdf |
| STAIR/NT (Skills Training in Affective and Interpersonal Regulation) | Zweiphasiger kognitiv-behavioraler Ansatz für Jugendliche (STAIR/NT-A) mit PTBS infolge frühkindlichen Missbrauchs. Phase 1 (8-12 Sitzungen): Affekt- und Interpersonal-Regulationstraining. Phase 2 (4-8 Sitzungen): Narrative Traumaverarbeitung. | Jahr: 2002 / 2014 (Cloitre et al.) Land: USA | Hohe Wirksamkeit bei komplex traumatisierten Jugendlichen. Stärkt nachweislich die Emotionskontrolle und soziale Kompetenz vor Beginn der Traumakonfrontation. | Nicht explizit als Einzelleistung regelfinanziert, aber als verhaltenstherapeutische Einheiten über Krankenkassen abrechenbar. Quelle: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung.pdf |
| SAFE (Sichere Ausbildung für Eltern) | Präventionsprogramm zur Förderung einer sicheren Bindung zwischen Eltern und Kind. Begleitet Eltern von der Schwangerschaft bis zum Ende des ersten Lebensjahres, um Bindungsstörungen und die intergenerationale Weitergabe von Traumata zu verhindern. | Jahr: 2014 (Karl Heinz Brisch) Land: Deutschland | Reduziert nachweislich Bindungsunsicherheit, stärkt die elterliche Feinfühligkeit und beugt Misshandlung und Vernachlässigung effektiv vor. | Kosten für Elternfortbildung; teils von Jugendämtern oder als Präventionsleistung der Krankenkassen bezuschusst. Quelle: SAFE®: khbrisch.de - Fortbildungen und Termine; Traumatisierte Kinder im Alltag feinfühlig unterstützen.pdf |
| Somatic Experiencing (SE) | Körperorientierter Ansatz zur Traumalösung. Fokus liegt auf dem Aufspüren und Entladen der im Nervensystem blockierten biologischen Überlebensreaktionen (Kampf, Flucht, Erstarrung) nach traumatischen Schockerlebnissen. | Jahr: Late 1990s (Peter Levine) Land: USA / Deutschland | Hilft hochwirksam bei chronischer autonomer Übererregung, somatoformen Beschwerden und Angstzuständen nach Monotraumata. | Keine kassenärztliche Regelversorgung in Deutschland; muss i.d.R. privat oder über Zusatzversicherungen finanziert werden. Quelle: Somatic Experiencing (SE) ® - Odenwald-Institut; perry handout effects of trauma.pdf |
| Parent-Child Interaction Therapy (PCIT) / Eltern-Kind-Psychotherapie | Evidenzbasierte spieltherapeutische und verhaltenstherapeutische Intervention zur Stärkung der Eltern-Kind-Bindung und Verringerung kindlicher Verhaltensstörungen bei traumatisierten Familiensystemen. | Jahr: 2010 (Timmer et al.) / 2015 (Eslinger et al.) Land: USA | Statistisch signifikante Reduktion kindlicher Verhaltensauffälligkeiten und elterlicher Stressreaktionen im Prä-Post-Vergleich. | Standardtherapie im US-Gesundheitssystem; in Deutschland im Rahmen komplexer Erziehungshilfen über das Jugendamt finanzierbar. Quelle: Therapieangebote für psychisch traumatisierte Kinder und Jugendliche in Deutschland.pdf |
| Trauma and Attachment Group (TAG) Program | Ambulantes Gruppenprogramm zur Traumabehandlung bei Kindern mit Bindungstraumatisierungen durch die Stärkung des nicht-misshandelnden Elternteils. Integriert entwicklungspsychologische und psychodynamische Ansätze. | Jahr: 2005 / 2016 (Ashton et al.) Land: Kanada | Führt nachweislich zu einer Verbesserung des Bindungsverhaltens und einer spürbaren Reduzierung von Traumafolgesymptomen bei Kindern. | Durchführung meist im Rahmen staatlicher Beratungszentren für Kinderschutz. Quelle: Therapieangebote für psychisch traumatisierte Kinder und Jugendliche in Deutschland.pdf |
| Trauma Recovery Program (TRP) | Ambulantes, methodenübergreifendes Behandlungsprogramm für komplex traumatisierte Kinder. Kombiniert kognitiv-behaviorale, bindungstheoretische und kunsttherapeutische Elemente zur spielerischen Traumabearbeitung. | Jahr: 2015 (Daubner et al.) Land: USA / UK | Prä-Post-Studien belegen eine signifikante Reduzierung der posttraumatischen Symptomatik, Verhaltensauffälligkeiten und eine Verbesserung des familiären Copings. | Meist über Projektmittel oder gemeinnützige Träger der Jugendhilfe finanziert. Quelle: Therapieangebote für psychisch traumatisierte Kinder und Jugendliche in Deutschland.pdf |
| MASTR (Motivation-Adaptive Skills-Trauma Resolution) Treatment | Interventionsmodell für hochbelastete Jugendliche mit Verhaltensstörungen und interpersonellen Gewalterfahrungen. Integriert Motivational Interviewing, EMDR und klassische kognitive Verhaltenstherapie. | Jahr: 2002 (Greenwald) Land: USA | Führt in Einzelfall- und Pilotstudien zu einer effektiven Reduzierung der posttraumatischen Belastung und aggressivem Vermeidungsverhalten. | Wird in spezialisierten jugendpsychiatrischen Ambulanzen im Rahmen therapeutischer Gesamtbudgets getragen. Quelle: Therapieangebote für psychisch traumatisierte Kinder und Jugendliche in Deutschland.pdf |
| Internal Family Systems (IFS) mit Kunsttherapie | Methodenübergreifendes Angebot für jugendliche Straftäter mit Traumahintergrund. Verbindet kunsttherapeutische Techniken mit dem systemischen Ansatz der Arbeit mit inneren Anteilen (IFS). | Jahr: 2004 (Lavergne) Land: USA | Erleichtert Jugendlichen den nonverbalen Zugang zur Verarbeitung schwerer, chronischer Traumata im familiären Umfeld. | Teil der klinischen Behandlung im Jugendstrafvollzug oder spezialisierter Rehabilitationseinrichtungen. Quelle: Therapieangebote für psychisch traumatisierte Kinder und Jugendliche in Deutschland.pdf |
| Spielorientierte KVT (Game-based Cognitive Behavioral Therapy - GB-CBT) | Kombination aus traumaspezifischer kognitiver Verhaltenstherapie, Spieltherapie und gruppentherapeutischen Ansätzen für sexuell missbrauchte Kinder. Beinhaltet spielerische Wissensvermittlung zur Sexualerziehung und Selbstverteidigung. | Jahr: 2011 / 2014 (Misurell et al.) Land: USA | Prä-Post-Studien zeigen signifikante Reduzierung von internalisierendem, externalisierendem und sexuell unangemessenem Verhalten. | Ambulantes Angebot über gemeinnützige Beratungsstellen oder Kinderschutz-Zentren. Quelle: Therapieangebote für psychisch traumatisierte Kinder und Jugendliche in Deutschland.pdf |
| Psychodrama-Gruppentherapie für Mädchen | Gruppentherapeutische Intervention für psychisch traumatisierte Mädchen unter Anwendung szenischer und rollenspielerischer Psychodrama-Methoden. | Jahr: 1999 (Carbonell & Parteleno-Barehmi) Land: USA | Statistisch signifikant weniger Verhaltensauffälligkeiten nach der Intervention im direkten Vergleich mit einer Wartelisten-Kontrollgruppe. | Meist spendenfinanzierte Gruppenangebote freier Träger. Quelle: Therapieangebote für psychisch traumatisierte Kinder und Jugendliche in Deutschland.pdf |
| Klientenzentrierte Spieltherapie (CCT) bei PTBS | Nicht-direktive, supportive Spieltherapie nach Rogers im kindgerechten Setting zur emotionalen Entlastung traumatisierter Kinder. | Jahr: Umfangreich evaluiert in div. RCTs (Cohen; Deblinger; Foa) Land: USA | Bewirkt eine Reduktion allgemeiner psychischer Belastungen; ist jedoch im direkten Vergleich mit traumafokussierter KVT oder PE signifikant weniger wirksam. | Durch deutsche Krankenkassen im Rahmen tiefenpsychologischer oder analytischer Kindertherapie erstattungsfähig. Quelle: Therapieangebote für psychisch traumatisierte Kinder und Jugendliche in Deutschland.pdf |
| Ambulante Kunsttherapie (Pifalo, 2002) | Spezifische, nicht-GKV-finanzierte kunsttherapeutische Gruppenintervention für missbrauchte Mädchen zur nonverbalen Traumabearbeitung. | Jahr: 2002 (Pifalo) Land: USA | Posterhebungen zeigten eine statistisch hochsignifikante Reduktion der klinischen Trauma- und Stresssymptomatik bei den betroffenen Mädchen. | In Deutschland über Spenden, Stiftungen oder als komplementäres stationäres Angebot finanziert. Quelle: Therapieangebote für psychisch traumatisierte Kinder und Jugendliche in Deutschland.pdf |
| Klassische Spieltherapie (Reyes & Asbrand, 2005) | Nicht-GKV-finanzierte, supportive Spieltherapie zur spielerischen, selbstgesteuerten Bewältigung von traumatischen Erlebnissen im geschützten Therapieraum. | Jahr: 2005 (Reyes & Asbrand) Land: USA | Zeigte im Rahmen von Prä-Post-Untersuchungen eine statistisch signifikante Verringerung der kindlichen posttraumatischen Symptombelastung. | Wird in Deutschland ambulant privat finanziert oder über die Jugendhilfe (Eingliederungshilfe § 35a SGB VIII) bezuschusst. Quelle: Therapieangebote für psychisch traumatisierte Kinder und Jugendliche in Deutschland.pdf |
| Mehrdimensionale Psychodynamische Traumatherapie (MPTT-KJ) | Spezifisches, psychodynamisch-analytisches Traumatherapieverfahren für Kinder und Jugendliche. Schont den Patienten durch imaginative Distanzierungstechniken vor der eigentlichen Konfrontation. | Jahr: Entwickelt von Luise Reddemann (S3-Richtlinien-Nennung) Land: Deutschland | Wird von 5% aller befragten deutschen Spezialambulanzen fest im Therapiespektrum angeboten. Bewirkt eine signifikante Entlastung bei komplexen Störungen. | Vollständig durch die deutsche GKV im Rahmen tiefenpsychologischer Verfahren abrechenbar. Quelle: Therapieangebote für psychisch traumatisierte Kinder und Jugendliche in Deutschland.pdf |
| Kulturtypisches Meditations- und Relaxationsprotokoll (MED) | Schulbasiertes, lokales Meditations- und Entspannungsprogramm (6 Sitzungen), durchgeführt von trainierten Lehrern im Konfliktgebiet. | Jahr: 2004-2005 (Sri Lanka Studie) Land: Sri Lanka | Signifikante und nachhaltige Reduktion von CAPS-Traumasymptomen (Effektstärke 1,23). Schafft ideale Grundlage für die anschließende individuelle KIDNET-Exposition. | Extrem kostengünstig; benötigt keine westlichen Spezialisten, nutzt lokale Lehrer als Multiplikatoren. Quelle: Trauma Treatment for Children in War - Sri Lanka.pdf |
| Guter Start ins Kinderleben | Frühinterventions- und Präventionsprojekt der Bundesländer zur Vermeidung von Kindeswohlgefährdung durch gezielte Stärkung der Elternkompetenzen. | Jahr: Modellprojekt ab 2007 Land: Deutschland | Verhindert effektiv Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung bei Risikofamilien und senkt langfristige gesellschaftliche Folgekosten massiv. | Mittel- und langfristig hocheffizient. Eingesetzte Präventionskosten stehen in einem Nutzenverhältnis von 1:13 bis zu 1:34 gegenüber den sonst anfallenden Traumafolgekosten. Quelle: Deutsche Traumafolgekostenstudie - Kein Kind mehr, kein Traumakosten mehr.pdf |
| Aufsuchende Schulsprechstunde | Kooperationsprojekt zwischen Krankenkassen, Kliniken und Schulen zur Etablierung psychiatrischer und psychotherapeutischer Krisenberatung direkt an Schulen. | Jahr: 2009 (LVR-Klinikum Essen) Land: Deutschland (NRW) | Baut Hemmschwellen ab, ermöglicht die Akuterkennung traumatisierter und verhaltensauffälliger Jugendlicher direkt im Lebensraum Schule. | Gefördert durch das LVR-Klinikum und die Betriebskrankenkassen (BKK). Kostenlos für betroffene Schüler und Familien. Quelle: Deutsche Traumafolgekostenstudie - Kein Kind mehr, kein Traumakosten mehr.pdf |
| MEHIRA gestuftes Versorgungsmodell | Mental Health In Refugees and Asylum Seekers (MEHIRA) - Ein modulares, gestuftes Versorgungskonzept für jugendliche und erwachsene Flüchtlinge. Reicht von Erstscreening über Online-Tools bis hin zur vollstationären psychiatrischen Akutbehandlung. | Jahr: Seit 2017 (Klinik für KJP Ulm) Land: Deutschland | Verbessert nachweislich die Versorgungsqualität von Geflüchteten im deutschen Gesundheitssystem und optimiert den Einsatz knapper Fachkraft-Ressourcen. | Gefördert durch den G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss) Innovationsfonds zur Systemoptimierung. Quelle: Versorgung von geflüchteten Minderjährigen - Angebote und Forschung der Klinik Ulm.pdf |
| PORTA (Online Resource and Trauma Assessment for Refugees) | Onlinebasiertes Erfassungs- und Screeningtool zur standardisierten Diagnostik von Belastungsfaktoren und Traumata bei geflüchteten Minderjährigen. Dient als digitale Weichenstellung für das MEHIRA-Modell. | Jahr: 2017-2019 (Projektlaufzeit) Land: Deutschland | Ermöglicht eine schnelle, datengeschützte und vollkommen anonymisierte Erstdiagnostik an den Schnittstellen von Jugendhilfe und KJP. | Gefördert durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG); kostenfrei für registrierte medizinische und sozialpädagogische Institutionen. Quelle: Versorgung von geflüchteten Minderjährigen - Angebote und Forschung der Klinik Ulm.pdf |
| SHELTER (Safety & Help for Early adverse Life events in minor Refugees) | Strukturiertes E-Learning- und Schulungskonzept für Träger der Jugendhilfe zur Vermittlung von fundiertem Wissen über Traumafolgen, rechtliche Rahmenbedingungen und Kinderschutz. | Jahr: Seit 2016 (Klinik für KJP Ulm) Land: Deutschland | Erhöht die Traumasensibilität und den institutionellen Schutzraum in deutschen Flüchtlings- und Jugendhilfeeinrichtungen nachhaltig. | Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Quelle: Versorgung von geflüchteten Minderjährigen - Angebote und Forschung der Klinik Ulm.pdf |
| Web-basierte Psychoedukation nach Cox | Onlinebasiertes, interaktives Schulungs- und Informationsportal zur Traumafolgen-Aufklärung für verunfallte Kinder und deren Eltern auf Basis von Kognitions- und Resilienztheorie. | Jahr: 2010 (Cox et al.) Land: Australien | Zeigte im klinischen Vergleich signifikante Besserungen bezüglich kindlicher Ängste und elterlicher Traumafolgesymptome. | Extrem kostengünstig bereitzustellen und global skalierbar. Quelle: Characteristics and efficacy of early psychological interventions after single trauma.pdf |
| Schriftliches Informations-Booklet nach Kenardy | Prophylaktische Verteilung gedruckter Informationsbroschüren an Kinder und Eltern unmittelbar nach der Entlassung nach Verkehrsunfällen oder Sportverletzungen. | Jahr: 2008 (Kenardy et al.) Land: Australien | Nachweislich hohe Leserate (97% Eltern, 83% Kinder); statistisch signifikante Senkung elterlicher PTSS-Werte nach 6 Monaten. | Marginale Druckkosten (Cent-Beträge pro Familie). Quelle: Characteristics and efficacy of early psychological interventions after single trauma.pdf |
| Kognitiv-behaviorale Frühintervention nach Zehnder | Einzelne verhaltenstherapeutische Sitzung (Conjoint-Sitzung mit Kind und mindestens einem Elternteil) innerhalb von 10 Tagen nach einem Unfall. | Jahr: 2010 (Zehnder et al.) Land: Schweiz | Statistisch signifikante Reduzierung von Traumafolgen im 6-Monats-Follow-up, insbesondere hochwirksam für jüngere Kinder (7-11 Jahre). | Sehr geringe Kosten durch einmaliges Kurzzeit-Setting. Quelle: Characteristics and efficacy of early psychological interventions after single trauma.pdf |
| Adjuvantes Ausdauersport-Lauftraining | 30-minütiges moderates Laufbandtraining unmittelbar vor einer traumafokussierten Prolongierten Expositionssitzung zur Aktivierung von BDNF-Proteinen (Neuroplastizität). | Jahr: 2019 (Leitlinienrecherche der DeGPT) Land: Deutschland (und international) | Unterstützt die zerebrale synaptische Plastizität und beschleunigt das Extinktionslernen in der Konfrontationstherapie signifikant. | Keine nennenswerten Zusatzkosten (Laufband oder freies Laufen ubiquitär verfügbar). Quelle: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung.pdf |
| Atem-Biofeedback (adjuvant zur TF-KVT) | Apparativ gestützte Echtzeit-Rückmeldung der Atemfrequenz zur physiologischen Beruhigung und Reduzierung der autonomen Übererregung während traumafokussierter Therapiesitzungen. | Jahr: 2019 (AWMF-Leitlinie) Land: Deutschland (und international) | RCTs zeigen einen signifikant schnelleren Rückgang der posttraumatischen Übererregung und Angstzustände während der Sitzungen. | Geräteanschaffung und Softwarelizenzen erforderlich. Quelle: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung.pdf |
| D-Cycloserin (DCS) Medikations-Augmentation | Pharmakologische Unterstützung der psychotherapeutischen Prolongierten Exposition durch orale Verabreichung von D-Cycloserin vor der Trauma-Konfrontationsphase. | Jahr: 2019 / AWMF-PTBS-Leitlinie Land: International / Deutschland | Fördert das emotionale Extinktionslernen im Gehirn und führt in mehreren RCTs zu einer schnelleren Symptombesserung bei PTBS. | Verschreibungspflichtiges Medikament. Quelle: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung.pdf |
| Yohimbin-Augmentation bei Prolongierter Exposition | Einmalige Verabreichung des Wirkstoffs Yohimbin vor der ersten Konfrontationssitzung zur Erhöhung des noradrenergen Arousals und der Rekonsolidierung. | Jahr: 2019 / Leitlinienevaluation Land: USA | In einer Pilotstudie (N=26) zeigten sich keine signifikanten Unterschiede gegenüber der Placebo-Gruppe; weitere Evaluationen sind erforderlich. | Verschreibungspflichtige Arzneimittelkosten. Quelle: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung.pdf |
| Ergotherapie im traumaspezifischen Behandlungsplan | Adjuvantes Behandlungsverfahren im klinisch-stationären Bereich zur schrittweisen Re-Integration handlungsbezogener Kompetenzen und zur Förderung der Alltagsstruktur. | Jahr: 2019 (Schlüsselempfehlung 11, AWMF) Land: Deutschland | Sehr positive klinische Erfahrungen, insbesondere bezüglich der Entlastung von komorbiden Störungen und des Aufbaus eines therapeutischen Rahmens. | In der stationären Klinikversorgung regelfinanziert. Quelle: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung.pdf |
| Musiktherapie im traumaspezifischen Behandlungsplan | Adjuvante Musiktherapie im stationären oder ambulanten Setting zur nonverbalen, kreativen Bearbeitung von Affekten und emotionaler Dysregulation. | Jahr: 2019 (AWMF-Schlüsselempfehlung) Land: Deutschland | Fördert den emotionalen Ausdruck und die Bindungsfähigkeit, besonders wertvoll bei Kindern mit schwer verbalisierbaren Traumata. | Regelfinanziert im stationären Bereich; ambulant oft über Hilfevereine getragen. Quelle: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung.pdf |
| Physiotherapie / Körpertherapie | Adjuvante Bewegungs- und Physiotherapie im multimodalen Behandlungsplan zur Reduzierung chronischer Muskelanspannungen und zur Überwindung von Erstarrungsreaktionen. | Jahr: 2019 (AWMF-Konsens) Land: Deutschland | Hilft traumatisierten Kindern und Jugendlichen nachweislich dabei, ein positives Körpergefühl zurückzuerlangen und körperliche Dysregulationen abzubauen. | Vollständig erstattungsfähig im deutschen Gesundheitssystem. Quelle: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung.pdf |
| Rückfallpräventionstraining (Seeking Safety/Sicherheit finden) | Kognitiv-behaviorales Training im Rahmen der nicht-traumafokussierten Behandlung zur Absicherung der Abstinenz bei Traumafolgestörungen mit Suchtkomorbidität. | Jahr: 2009 (Najavits et al.) Land: USA / Deutschland | RCTs belegen eine signifikante Erhöhung der Abstinenzraten und elterlicher Bewältigungskompetenzen. | Standardmäßig im Rahmen des kognitiven Verhaltenstrainings kassenfinanziert. Quelle: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung.pdf |
